Die Hochburg des Jugendfußballs im Landkreis verteidigt ihren Status auch in der E-Jugend: Beim Heimspiel am Staffelsee setzt sich der TSV Murnau als Sieger durch.
Ins Bezirksfinale folgt den Drachen die Spielgemeinschaft Bad Kohlgrub/Unterammergau. Alles zum Turnier inklusive aller Teams gibt’s auf zwei Sonderseiten.

2018 05 15 1 Jubel ohne Grenzen: Samuel Krippner stürmt nach dem Halbfinal-Erfolg der Ammertaler gegen den SV-Ohlstadt den Platz. (Foto: Andreas Mayr)

2018 05 15 2Zweiter und Bezirksfinalist – SG Bad Kohlgrub/Unterammergau mit (v.v.l.) Jakob Staltmeir, Samuel Krippner, Tobias Hager, Leo Bitterlich, (M.v.l.) Sinon Vogel, Maxi Öller, Miklas Meixner, Ferdinand Greipl, Organisator Günter Liebmann, Spielleiter Thomas Schumann, Trainer Christian Hager und Merkur-CUP-Chef Uwe Vaders. (Foto: Andreas Mayr)

Tal der Träume
VON ANDREAS MAYR

Seit vier Jahren arbeitet Christian Hager mit den Ammertaler Burschen auf das Bezirksfinale hin. Beim Turnier in Murnauer hat es die Spielgemeinschaft gepackt. Nun hat sie ein neues Ziel: Bezirksfinale dahoam.

Murnau – Es braucht viel, um Günter Liebmann zu verwirren. Seit Jahren organisiert er Merkur-CUP-Turniere in allen Orten Oberbayerns. Aber die Kicker aus dem Ammertal redeten dem Moderator vehement ein, dass das Bezirksfinale in Bad Kohlgrub stattfindet. Bis er’s glaubte. Den fast 100 Fußballern und ihren Eltern verkündete er: Die SG Bad Kohlgrub/Unterammergau tritt am 1. Juli zum Finale dahoam in Bad Kohlgrub an.

Kurze Zeit später klärte sich das Missverständnis auf. Bad Kohlgrub hat sich für die nächste Runde beworben. Wie auch der TSV Murnau, der zweite Teilnehmer aus dem Landkreis. Die Entscheidung steht noch aus. SG-Trainer Christian Hager sagt: „Es ist der Traum meiner Jungs.“

Dass Träume sich manchmal erfüllen, hat Hager beim Kreisfinale am Staffelsee in Murnau erfahren. Vor vier Jahren hatte er begonnen, die nächste Generation Fußballer im Ammertal heranzuziehen. Zum Team zählen Bad Kohlgruber, Unterammergauer, Altenauer und Saulgruber. Als Ziel setze er sich, einmal das Bezirksfinale im Merkur CUP zu erreichen. Voriges Jahr kam er dem großen Wurf erstaunlich nahe. Obwohl er mit dem jüngeren Jahrgang antrat, schafften es die Ammertaler ins Halbfinale. Gegen Ohlstadt schieden sie aus. Der Sport sorgt aber für die schönsten Zufälle. So traf es sich, dass die SG in diesem Jahr wieder im Semifinale auf den SVO traf. Das Modell, das Trainer Bernd Hanika am Boschet verfolgt, gleicht dem Ammertaler Plan. Auch Hanika betreut das Team seit Jahren. Entsprechend hochklassig war das Duell. Es endete 2:1 für die SG. Hinterher sagten die Ohlstädter, es hätte auch andersherum ausgehen können. Aber das ist ganz normal bei so engen Partien. Die Offensive entschied. „Die ist mein Steckenpferd“, sagt Hager. Es gab eine Zeit, in der es defensiv richtig schlecht lief bei der SG. Mittlerweile habe das Team diese Schwächen „gut nachtrainiert“. In der Liga haben die Ammertaler nur zehn Gegentreffer kassiert. Im Finale schenkten ihnen die Murnauer gleich drei Tore ein. Aber Hager relativiert: „Die Jungs waren blau.“ Im Halbfinale hatten sie sich bei heißen Temperaturen und Sonnenschein komplett verausgabt.

3:0 endete das Finale. TSV-Trainer Dennis Destek betont: Diese Partie entschädigte ihn für die ersten beiden durchwachsenen Spiele. Es hätte die Gastgeber böse erwischen können. Gegen Ohlstadt mühte sich der TSV zu einem 1:1, Uffing schlug er knapp mit 1:0. „Das war Glück“, sagt Destek. Während der SVU in der ersten Hälfte den Pfosten traf, agierten die Murnauer ungewohnt nervös. Unerklärliche Fehler unterliefen ihnen im Passspiel. „Wir hatten einen Frosch im Fuß“, sagt der Coach. Mit dem Erfolg über den Nachbarn lief’s auf einmal. Destek stellt aber klar: „Wir können es besser.“ Im Halbfinale schlugen die Drachen den TSV Farchant 1:0 und überwanden ihr Vorjahres-Trauma. Er sei stolz auf die Burschen, betont Destek. „Es ist nicht leicht für Zehn- und Elfjährige bei dem ganzen Tamtam und den Erwartungen.“ Hinter den Murnauern stehe aber eine richtig gute „Eltern-Truppe“, die das Merkur-CUP-Heimspiel stemmte. „Das wirkt sich auf die Kinder aus.“ Am liebsten wäre es Destek, wenn das Bezirksfinale an der Poschinger-Allee steigt. „Ich spiele lieber in Murnau als in Warngau.“ Das Ziel für die nächste Runde ist klar. „Nur dabei zu sein, ist nicht unser Ding.“

Auch die Ammertaler rechnen sich eine Chance aus. „Da kann alles passieren. Zwei, drei gute Spiele und du stehst im Halbfinale.“ In den kommenden sechs Wochen möchte Hager das Team gezielt vorbereiten und verbessern. Die Ligaspiele nutzt er als Experimentierunterricht. Die Fußball-Krise im Ammertal werden die jungen Burschen zwar nicht beenden. Aber sie zeigen den Weg auf, der in der Zukunft nötig sein wird. Nur mit der Jugend geht’s wieder bergauf. Hager und seine Arbeit sind ein kleiner Schritt.

Acht Teams – ein Vorbild
Der Merkur CUP trägt seit Beginn den Spitznamen Champions League der E-Junioren. Es gibt weltweit keinen vergleichbaren und größeren Wettkampf. Aber – und das muss man herausstellen: Er ist nicht die Champions League. Hier reißen sich keine Selbstdarsteller die Trikots von der Brust. Es dreht sich nicht alles um Millionen und Moneten – sondern nur um Fußball in seiner reinsten Form. Das Buch der Werte, das Fairness vermitteln soll, haben die Mannschaften in Murnau nicht nur befolgt, sondern auch gelebt. Keine Tritte, keine bösen Worte, keine Arroganz – man hat das auch beim Merkur CUP, auf den viele Kicker ein Jahr lang hinfiebern und deshalb häufig die Nerven flattern, schon anders erlebt. Die acht Kreisfinalisten dienen als perfekte Botschafter einer Sportart, die sich wieder mehr auf ihre Ursprünglichkeit besinnen sollte.

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Quelle: Dienstag, 15. Mai 2018, Garmisch-Partenkirchner Tagblatt / Lokales - Sport